Der öffentliche Personennahverkehr gilt seit jeher als männerdominierte Branche. Doch seit einigen Jahren tut sich etwas: Hinterm Steuer und in den Werkstätten sind immer mehr starke Frauen anzutreffen, die beweisen, dass der ÖPNV eine berufliche Perspektive für alle Geschlechter bietet. Und auch in anderen Bereichen der Branche – zum Beispiel im Service, in der Verwaltung und in der Leitung – ist die oft beschworene Frauenpower zu spüren.
Immer mehr Frauen im ÖPNV aktiv
Der internationale Frauentag, der jedes Jahr am 8. März Gleichberechtigung und die Rechte der Frauen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückt, bietet den perfekten Anlass, einmal genauer hinzuschauen. Denn natürlich gehören Frauen auch bei den Mitgliedsunternehmen von Bus & Bahn Thüringen e. V. fest zum Kollegium und können es locker mit ihren männlichen Kollegen aufnehmen. So beträgt die Frauenquote bei der DB Regio AG, Regio Südost über alle Berufsgruppen hinweg beispielsweise etwa 22,2 %.

Antje Müller (SNG): Leidenschaft für große Fahrzeuge
Bei der Städtischen Nahverkehrsgesellschaft mbH Suhl/Zella-Mehlis (SNG) sind 18 der 87 Mitarbeitenden Frauen. Eine arbeitet als Azubi in der Werkstatt, elf in der Verwaltung sowie im Service und sechs im Fahrbetrieb.
Eine von ihnen ist Antje Müller, die seit 2023 für die SNG auf den Straßen unterwegs ist und zuvor als Busfahrerin bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) beschäftigt war. Die Quereinsteigerin liebt es, „große und noch größere Fahrzeuge“ – so ihre Formulierung – fahren zu dürfen, und ist stolz darauf, ihr vorheriges Berufsleben hinter sich gelassen zu haben. Denn im ÖPNV hat sie ihre ganz persönliche Erfüllung gefunden.
Heike Rodig (MBB): Die gute Seele im Büro
Auch bei der MBB Meininger Busbetriebs GmbH wird Frauenpower großgeschrieben. Eine, die dies bereits tat, lange bevor der Begriff in den Thüringer Sprachgebrauch aufgenommen wurde, ist Heike Rodig. Sie arbeitet seit Beginn ihrer Ausbildung am 1. September 1982 bei der MBB, die damals noch VEB Kraftverkehr Meiningen hieß.
Als gute Seele im Büro unterstützt sie überall dort, wo sie gebraucht wird. Ob Vertrieb, Abrechnung, Rechnungslage oder Auftragsbearbeitung – Frau Rodig hat stets den Überblick. Kollegen und Kolleginnen schätzen zudem ihre hohe Loyalität, ihre Zuverlässigkeit und ihre Erfahrung, die über Jahrzehnte gewachsen ist.
Franziska Scheel (WerraBus): Klare Perspektiven und gesellschaftliche Relevanz
Das Kollegium der WerraBus GmbH umfasst 16 Mitarbeitende, von denen sieben weiblich sind. Damit ist die Frauenquote hier außerordentlich hoch.
Franziska Scheel wagte den Quereinstieg und ist nun als Busfahrerin im Landkreis Hildburghausen tätig. Sie war auf der Suche nach einer zukunftssicheren Tätigkeit, bei der sie Kontakt zu Menschen hat und gleichzeitig etwas für die Gesellschaft tun kann. Im ÖPNV wurde sie fündig, denn er verbindet Menschen, sorgt für Mobilität und spielt eine wichtige Rolle im Klimaschutz. Zudem weiß Frau Scheel ihr Team, die geregelten Arbeitszeiten und die Anerkennung ihrer Arbeit zu schätzen.
Daniela Wunder (KomBus): Busfahrerin seit über 20 Jahren
Die KomBus GmbH beschäftigt 310 Männer und 111 Frauen im Unternehmen, darunter 61 Busfahrerinnen. Auch unter den 22 Azubis finden sich acht Frauen.
Daniela Wunder hat zwar nicht ihre Ausbildung bei dem Verkehrsunternehmen gemacht, genießt aber trotzdem bereits seit mehr als 20 Jahren die Freiheiten der Straße als Busfahrerin mit Leib und Seele. Sie kam als Quereinsteigerin zur KomBus GmbH und durfte nach einer einjährigen Umschulung hinter dem Buslenkrad Platz nehmen. Seitdem ist ihre Liebe zum Beruf ungebrochen. Ob auf der idyllischen Strecke nach Ziegenrück, als festes Mitglied im Fahrerteam beim Sonne-Mond-Sterne-Festival in Saalburg oder im ganz normalen Fahrbetrieb – Frau Wunder hat ihre Entscheidung, vom Bundesgrenzschutz in den ÖPNV zu wechseln, nie bereut.
Übrigens: Die KomBus GmbH wird auch in diesem Jahr wieder anlässlich des Weltfrauentages 7.500 Seidenrosen an die weiblichen Fahrgäste verteilen. Da der Weltfrauentag 2026 auf einen Sonntag fällt, findet die Aktion am Montag, den 9. März, statt. Eine echte Rose als Zeichen der Anerkennung erhalten an diesem Tag auch alle KomBus-Mitarbeiterinnen.
Juliane Meyer (Wartburgmobil): Meisterin der Zahlen
Das Verkehrsunternehmen Wartburgmobil (VUW) gkAöR beschäftigt im Moment 29 Frauen im Unternehmen. Juliane Meyer ist eine von ihnen. Sie stieg 2022 nach ihrer zweiten Elternzeit als Teamleiterin Finanzen/Rechnungswesen/Controlling ein und arbeitet seitdem in einem sechsköpfigen Team engagierter Kolleginnen.
Frau zu sein hat für Frau Meyer viele Facetten: Mensch, Mutter, Partnerin, Organisatorin, Köchin, Friseurin, Fahrerin, Geschäftsführerin u. v. m. Heute haben Frauen glücklicherweise die Möglichkeit, vielfältige Rollen selbstbestimmt zu leben. Diese Chancen gilt es zu nutzen. Umso wertvoller ist es für sie, in einem Unternehmen wie Wartburgmobil Rückhalt und Unterstützung zu erfahren, ernst genommen zu werden und Stärken weiterentwickeln zu können – und das alles neben Familie, Haus und Haushalt.
Frauen in ÖPNV-Führungspositionen
Ob Sina Fleischmann als Vorstand von Wartburgmobil oder Sarah Höring, ihres Zeichens die Geschäftsführerin von der IOV Omnibusverkehr GmbH Ilmenau – starke Frauen sind längst auch in der „Chefetage“ des Thüringer ÖPNV angekommen und machen hier eine überaus souveräne Figur. Sie gestalten die Branche aktiv mit, gehen neue Wege und beweisen jeden Tag, dass der öffentliche Personennahverkehr längst keine reine Männerdomäne mehr ist.
Dass immer mehr Frauen einen beruflichen Werdegang im ÖPNV anstreben, ist ein starkes Signal für die Zukunft der Branche. Denn es unterstreicht, dass der öffentliche Personennahverkehr auch für Frauen immer attraktiver wird und Karrierechancen für alle Menschen bereithält. Das möchte Bus & Bahn Thüringen e. V. nicht nur am internationalen Weltfrauentag betonen.








0 Kommentare